Ninna Suhr Poulsen
Head of Members & Communications, HR Manager Mitglieder & Kommunikation
+45 33 41 10 36 nsp@handelskammer.dkHead of Members & Communications, HR Manager Mitglieder & Kommunikation
+45 33 41 10 36 nsp@handelskammer.dkDie deutsche Bundesregierung erwartet für 2026 ein stärkeres Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig prägen steigende Energiepreise, Herausforderungen in der Offshore-Windindustrie und neue industriepolitische Initiativen die wirtschaftliche Entwicklung. In der Oktoberausgabe des Deutschland-Briefings gibt die Deutsch-Dänische Handelskammer einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der deutschen Politik, Wirtschaft und Industrie – von den Wachstumsprognosen über die deutsch-dänische Energiezusammenarbeit bis hin zu neuen Investitionen.
Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,5 auf 1,3 Prozent angehoben. Als wichtigste Wachstumstreiber gelten die Exporte sowie staatliche Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur. Für 2027 erwartet die Regierung ein Wachstum von 1,1 Prozent, für 2028 einen Rückgang der Wachstumsrate auf 0,6 Prozent.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht die wirtschaftliche Schwächephase als überwunden an. Gleichzeitig betont sie, dass weitere strukturelle Reformen notwendig seien. Die Bundesregierung plant unter anderem, Bürokratie abzubauen, Kosten zu senken und die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern.
Die Inflation in Deutschland ist im September 2026 auf 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Damit erreichte sie den höchsten Stand seit Dezember 2023. Ausschlaggebend waren insbesondere die gestiegenen Energiepreise.
Die Preise für Kraftstoffe und Haushaltsenergie erhöhten sich insgesamt um knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Benzin und Diesel verteuerten sich um gut 37 Prozent, während die Preise für Heizöl um fast 75 Prozent stiegen.
Gleichzeitig gingen die Preise für Strom, Erdgas ohne Betriebskosten und Fernwärme zurück. Die Preisentwicklung fällt innerhalb des Energiesektors somit unterschiedlich aus.
Eine Studie des Fraunhofer-Instituts schlägt eine gemeinsame Strompreiszone für Westdänemark, Schleswig-Holstein und Hamburg vor. Eine solche Lösung könnte die Stromnetze entlasten, die Energiekosten reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wasserstoffproduktion verbessern.
Nach Angaben der IHK Flensburg könnten durch geringere Kosten für das Management von Netzengpässen jährlich 150 bis 200 Mio. EUR eingespart werden.
Regionale Wirtschaftsorganisationen unterstützen den Vorschlag. Konkrete politische Pläne für eine Umsetzung gibt es bislang jedoch nicht. Eine mögliche Zusammenlegung der Strompreiszonen wird derzeit als eine von mehreren Optionen auf Bundes- und Landesebene diskutiert.
Die deutsche Offshore-Windindustrie steht unter erheblichem Druck. In den vergangenen zwei Jahren wurden keine neuen Offshore-Windprojekte in Deutschland gestartet. Hohe Kosten, Zinsen und politische Unsicherheiten bremsen den weiteren Ausbau.
Einer aktuellen Analyse zufolge könnten bis 2030 rund 23.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Gleichzeitig droht der Branche ein Umsatzverlust von 24 Mrd. EUR. Offshore-Projekte mit einer Gesamtleistung von mindestens 16 Gigawatt sind gefährdet.
Auch Unternehmen wie Siemens Energy und der dänische Windenergieanlagenhersteller Vestas könnten Aufträge in Milliardenhöhe verlieren.
Die Branche fordert deshalb bessere Investitionsbedingungen. Dazu gehört unter anderem ein Modell mit festen Vergütungspreisen für Strom. Damit soll verhindert werden, dass Arbeitsplätze und Produktionskapazitäten ins Ausland verlagert werden.
Deutschland und Frankreich haben sich darauf verständigt, sich für eine Lockerung der geplanten EU-Vorgaben für Neuwagen ab 2035 einzusetzen. Die beiden Länder schlagen vor, die erforderliche CO₂-Reduktion von 100 auf 90 Prozent zu senken.
Damit könnten neue Benzin- und Dieselfahrzeuge unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin verkauft werden. Entscheidend wäre, dass die gesamte Neuwagenflotte der Hersteller die gelockerten CO₂-Grenzwerte einhält.
Darüber hinaus wollen Deutschland und Frankreich strengere Vorgaben für den Anteil europäisch produzierter Fahrzeugkomponenten einführen. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie zu stärken.
Italien unterstützt den Vorschlag. Innerhalb Deutschlands gehen die Meinungen auseinander: Die SPD befürwortet die Lockerung und geht davon aus, dass sich Elektrofahrzeuge dennoch weiter durchsetzen werden. Die Grünen und Umweltorganisationen kritisieren hingegen eine mögliche Schwächung des Klimaschutzes.
Die vorgeschlagenen Änderungen sind auf EU-Ebene noch nicht beschlossen.
Die Bundesregierung hat mit dem US-amerikanischen Chiphersteller Nvidia eine Kooperation zur stärkeren Nutzung künstlicher Intelligenz in der Industrie vereinbart. Die Vereinbarung wurde am 19. Oktober 2026 auf der Investitionskonferenz „Invest in Germany“ in Berlin vorgestellt.
Im Mittelpunkt steht insbesondere Physical AI. Dabei wird künstliche Intelligenz in physische Systeme wie Industrieroboter integriert.
Die Kooperation soll deutsche Ingenieurkompetenzen mit moderner KI-Technologie verbinden und so die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stärken. Zugleich verfolgt die Bundesregierung das Ziel, mehr private und internationale Investitionen nach Deutschland zu holen.
Die Bundesregierung hat den geplanten Verkauf von 80 Prozent des Hamburger Logistikunternehmens Zippel an die chinesische Staatsreederei Cosco untersagt. Als Begründung nennt die Regierung Sicherheitsbedenken und das Risiko einer zunehmenden Abhängigkeit von China.
Zippel beschäftigt rund 350 Mitarbeitende und spielt eine wichtige Rolle im Containertransport in Hamburg und Bremerhaven. Das Unternehmen organisiert unter anderem den Weitertransport von Waren per Bahn, Lkw und Schiff.
Cosco hält bereits 24,99 Prozent am Containerterminal Tollerort in Hamburg. Im Jahr 2022 wurde entschieden, dass die Beteiligung des chinesischen Unternehmens an diesem Terminal 25 Prozent nicht überschreiten darf.
Das dänische Molkereiunternehmen Arla investiert 35 Mio. EUR in sein Werk in Upahl in Mecklenburg-Vorpommern. Mit der Investition will das Unternehmen seine Skyr-Produktion ausbauen und auf die steigende Nachfrage in Deutschland reagieren.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Absatz von Arla Skyr in Deutschland um 62 Prozent.
Die Investition zeigt, wie ein dänisches Unternehmen seine Produktionskapazitäten in Deutschland angesichts der gestiegenen Nachfrage erweitert.
Neben den wirtschaftlichen Themen stehen im Oktober zwei wichtige landespolitische Entwicklungen im Mittelpunkt.
In Sachsen-Anhalt wurde Tobias Rausch von der AfD zum Präsidenten des Landtags gewählt. Damit übernimmt erstmals ein AfD-Politiker den Vorsitz eines deutschen Landesparlaments.
Rausch erhielt 48 von 82 Stimmen und damit auch Unterstützung außerhalb seiner eigenen Partei.
Bei der Landtagswahl im September erreichte die AfD knapp 44 Prozent der Stimmen, verfehlte jedoch die absolute Mehrheit. Der Spitzenkandidat der Partei, Ulrich Siegmund, will im Dezember für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren. Die übrigen Parteien lehnen eine Regierungszusammenarbeit mit der AfD allerdings ab.
SPD, Grüne und Linke haben sich nach der Berliner Landtagswahl auf ein gemeinsames Sondierungspapier geeinigt. Dieses soll als Grundlage für mögliche Koalitionsverhandlungen dienen.
Zu den Vorschlägen gehören eine Mietobergrenze im öffentlichen Wohnungsbestand sowie die Übernahme von Wohnungen großer privater Wohnungsgesellschaften gegen Entschädigung, sofern diese über mehr als 10.000 Wohnungen verfügen.
Die CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz kritisieren die mögliche Zusammenarbeit mit der Linken.
SPD und Grüne haben dem Sondierungspapier bereits mit großer Mehrheit zugestimmt. Die Linke will am 31. Oktober darüber entscheiden. Stimmen alle drei Parteien zu, könnten die Koalitionsverhandlungen im November beginnen.
Mit dem Deutschland-Briefing informiert die Deutsch-Dänische Handelskammer über ausgewählte Nachrichten und Entwicklungen aus der deutschen Politik, Konjunktur und Wirtschaft.
Die Oktoberausgabe 2026 wird von Ninna Suhr Poulsen, Head of Members & Communications der Deutsch-Dänischen Handelskammer, präsentiert.
Als mitgliedergetragene Organisation bringt die Handelskammer Menschen und Unternehmen über die deutsch-dänische Grenze hinweg zusammen.
Am 10. November 2026 veranstaltet die Handelskammer ihre jährliche Preisverleihung in Aarhus, bei der die deutsch-dänische Wirtschaft im Mittelpunkt steht.
Das Deutschland-Briefing ist auch über Podcast-Apps verfügbar. Bei Fragen können Sie sich per E-Mail an nsp@handelskammer.dk wenden.