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Dänemark Briefing Oktober 2026

Wie steht es um die dänische Wirtschaft? Was passiert in der dänischen Politik? Über welche Themen diskutieren die Dän:innen? Bei unserem Online-Briefing "Dänemark-Briefing in 10 Minuten" hat Gesche Lohnmann einen Überblick auf Deutsch über die wichtigsten Wirtschaftsnachrichten aus den dänischen Medien gegeben.

Dänemark-Briefing
© codzilla_swiss / unsplash

Die wichtigsten Themen im Briefing Oktober 2026

Wie entwickelt sich die dänische Wirtschaft 2026 und 2027?

Der dänische Wirtschaftsrat erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 4,2 Prozent. Zuvor hatten die Expert:innen lediglich 1,9 Prozent prognostiziert. Für 2027 rechnen sie mit einem Wachstum von 1,8 Prozent. Auch die Beschäftigung soll in beiden Jahren weiter steigen.

Vor allem die Pharmaindustrie treibt das Wachstum an, obwohl ein erheblicher Teil ihrer Produktion im Ausland stattfindet. Gleichzeitig warnt der Wirtschaftsrat vor einer zu lockeren Finanzpolitik: Das strukturelle Defizit könnte 2027 die gesetzliche Obergrenze erreichen.

Der Wirtschaftsrat schätzt den finanziellen Spielraum des Staates bis 2035 auf rund 11,5 Milliarden EUR und damit deutlich niedriger als die Regierung.

Welche Steueränderungen und Investitionen plant Dänemark für 2027?

Die dänische Regierung plant im Rahmen ihres Haushaltsentwurfs für 2027 Steuersenkungen von rund 1,35 Milliarden EUR bis 2030. Dazu gehört eine schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer von 22 auf 19 Prozent innerhalb von drei Jahren. Ab 2028 soll außerdem der steuerliche Abzug von Schuldzinsen und weiteren negativen Kapitaleinkünften begrenzt werden.

Daneben sieht der Entwurf zusätzliche Ausgaben in mehreren Bereichen vor:

  • Verteidigung: Rund 2,95 Milliarden EUR zusätzlich im Jahr 2027. Damit sollen die Verteidigungsausgaben auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen.
  • Bildung: Rund 121 Millionen EUR für Schulen.
  • Künstliche Intelligenz: Rund 27 Millionen EUR für einen neuen KI-Fonds, der die Einführung künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung unterstützen soll.
  • Öffentlicher Verkehr: Kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für junge Menschen unter 22 Jahren.

Die Regierung plant zudem höhere Rentenleistungen für bestimmte Gruppen und kostenlose Zahnbehandlungen für rund 500.000 Menschen. Gleichzeitig soll die Studienförderung teilweise gekürzt werden.

Warum steht die Wettbewerbsfähigkeit der nordischen Länder unter Druck?

Die nordischen Länder gehören zu den produktivsten Volkswirtschaften weltweit. Eine Studie von Copenhagen Economics warnt jedoch davor, dass sie gegenüber den USA an Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnten.

Besonders komplexe Vorschriften und Unterschiede zwischen nationalen Regelungen erschweren die Zusammenarbeit und das Wachstum nordischer Unternehmen. Da Exporte rund 50 Prozent der nordischen Wirtschaftsleistung ausmachen, spielen internationale Wettbewerbsbedingungen eine wichtige Rolle.

Lars Sandahl Sørensen, Geschäftsführer des dänischen Industrieverbands Dansk Industri, fordert deshalb einen gemeinsamen nordischen Binnenmarkt.

Auch bei Unternehmenssteuern, Arbeitskräfteangebot und Industriepolitik sehen politische Verantwortliche Reformbedarf. Höhere Investitionen in Forschung, Bildung und neue Technologien sollen dazu beitragen, gegenüber China und den USA aufzuholen.

Wie entwickeln sich Inflation und Immobilienpreise in Dänemark?

Die Inflation in Dänemark erreichte im September 2026 2,2 Prozent, nachdem sie Anfang des Jahres noch bei einem Prozent gelegen hatte. Insbesondere höhere Preise für Benzin, Diesel und Gas infolge des Konflikts zwischen den USA und Iran die Verbraucherpreise.

Die Löhne steigen derzeit um 3,3 Prozent und damit stärker als die Verbraucherpreise. Dadurch wächst die Kaufkraft vorerst weiter. Sinkende Lebensmittelpreise und die Abschaffung der Stromsteuer begrenzen den Preisanstieg. Ohne diese Steuerentlastung läge die Inflation laut Bankökonom bei knapp drei Prozent.

Auf dem Kopenhagener Wohnungsmarkt bewertet die dänische Nationalbank die Entwicklung inzwischen weniger kritisch als noch vor einem Jahr. Nachdem die Wohnungspreise zuvor innerhalb eines Jahres um 20 Prozent gestiegen waren, wächst mittlerweile das Angebot an Eigentumswohnungen. Im September gingen die Preise erstmals spürbar zurück.

Die Nationalbank sieht damit die zuvor unhaltbare Preisentwicklung vorerst als gestoppt an. Risiken für den Immobilienmarkt bestehen allerdings weiterhin.

Welche Auswirkungen haben die Energiepreise auf dänische Industrieunternehmen?

Steigende Energiepreise belasten die Produktion des dänischen Dämmstoffherstellers Rockwool, verbessern zugleich aber dessen Wettbewerbsposition gegenüber ölbasierten Dämmstoffen.

Während Kunststoffdämmstoffe Preissteigerungen von 30 bis 40 Prozent verzeichnen, wächst die Nachfrage nach Steinwolle. Rockwool gewinnt Marktanteile und steigert trotz der schwachen europäischen Baukonjunktur Umsatz und Absatz.

Besonders in Nordamerika steigt die Nachfrage. Deshalb liefert das Unternehmen zusätzliche Dämmstoffe aus Europa in die USA.

Um Kostenrisiken zu begrenzen, sichert Rockwool 75 Prozent seiner Energieeinkäufe für das kommende Quartal preislich ab. Langfristig plant das Unternehmen, seine Produktion zu elektrifizieren. Aufgrund unzureichender Stromnetze in Deutschland bevorzugt Rockwool dafür Standorte in Frankreich, Spanien, den Niederlanden und den USA.

Was bedeuten die Entwicklungen bei Nordex für Vestas?

Der deutsche Windkraftanlagenhersteller Nordex hat seine Gewinnprognose für 2026 deutlich angehoben. Die erwartete Marge steigt von bisher 8 bis 11 Prozent auf 11,5 bis 12,5 Prozent. Hintergrund sind eine bessere Entwicklung des Projektgeschäfts und höhere Serviceerträge.

Analyst:innen erwarten, dass die verbesserten Gewinnaussichten auch positive Auswirkungen auf die Aktie des dänischen Wettbewerbers Vestas haben könnten. Allerdings hatte Vestas bereits im Halbjahresbericht überraschend starke Gewinne gemeldet. Deshalb könnte der zusätzliche Kurseffekt begrenzt bleiben.

Die Nordex-Aktie legte nach der Prognoseanhebung um 8,7 Prozent zu.

Welche Rolle spielen Sicherheit und europäische Zusammenarbeit in Dänemark?

Dänemark steht sowohl in der Verteidigungspolitik als auch beim Schutz sensibler Daten vor wichtigen Entscheidungen.

Beschaffung neuer Fregatten: Dänemark möchte seine alternden Fregatten ersetzen und prüft Angebote mehrerer europäischer NATO-Staaten. Der südkoreanische Schiffbauer HD Hyundai Heavy Industries stellt zwar eine schnellere Lieferung und 20 bis 30 Prozent niedrigere Preise in Aussicht, kommt aufgrund der politischen Vereinbarungen derzeit aber nicht als Lieferant infrage. Diese sehen einen europäischen NATO-Partner vor.

Europäische Angebote bieten Vorteile bei gemeinsamer Ausbildung, Wartung, Ersatzteilversorgung und militärischer Zusammenarbeit. Expert:innen empfehlen dennoch, das südkoreanische Angebot zur Stärkung der Verhandlungsposition zu prüfen.

Sicherheit personenbezogener Daten: Mehr als 1.000 Unternehmen und Organisationen verfügen über Zugang zum dänischen Personenregister CPR, ohne dass der Staat ihre IT-Sicherheit aktiv kontrolliert.

Über den Zugang des Unternehmens Pays wurden mutmaßlich persönliche Daten von 8,7 Millionen Menschen abgegriffen. Der mutmaßliche Hacker soll innerhalb von zehn Tagen 14,9 Millionen Registerabfragen durchgeführt haben. Das zentrale Register selbst wurde dabei nicht gehackt.

IT-Sicherheitsfachleute fordern strengere Zugangskontrollen, regelmäßige Sicherheitsprüfungen und eine bessere Überwachung ungewöhnlicher Datenabfragen.

Welche neuen digitalen Lösungen entstehen im dänischen Alltag?

Die dänische Bezahl-App MobilePay führt einen digitalen Altersnachweis ein. Nutzer können damit ihr Alter direkt über die App bestätigen. Die Funktion wird schrittweise für rund 4,8 Millionen dänische Nutzer:innen bereitgestellt.

Die Supermarktkette Rema 1000 will den digitalen Nachweis künftig bei Einkäufen mit Altersbeschränkung akzeptieren. Auch im Nachtleben könnte die Funktion beispielsweise beim Kauf alkoholischer Getränke eingesetzt werden.

Der digitale Altersnachweis ersetzt allerdings keinen offiziellen Ausweis, sondern ergänzt bestehende Möglichkeiten zur Altersbestätigung.

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