Ninna Suhr Poulsen
Head of Members & Communications, HR Manager Mitglieder & Kommunikation
+45 33 41 10 36 nsp@handelskammer.dkWie entwickeln sich die Volkswirtschaften in Deutschland und Dänemark?
Deutschland ist in den Jahren von 2010 bis 2020 insgesamt etwas stärker gewachsen als Dänemark. Während die deutsche Wirtschaft in diesem Zeitraum um fast 12 % zugelegt hat, lag das Wachstum in Dänemark bei 9,4 %. In beiden Ländern spielt der Dienstleistungssektor die größte Rolle. In Dänemark ist sein Anteil mit 75,8 % am BIP noch höher als in Deutschland mit 68,6 %.
Worin unterscheiden sich Staats- und Privatverschuldung?
Deutschland hat eine deutlich höhere Staatsverschuldung als Dänemark. Gleichzeitig weist Dänemark im Jahr 2020 das niedrigste Haushaltsdefizit in der EU auf. Umgekehrt sieht es bei privaten Haushalten aus: Dänische Haushalte sind mehr als doppelt so hoch verschuldet wie deutsche. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass viele Menschen in Dänemark Wohneigentum besitzen.
Wie unterscheiden sich Arbeitsmarkt und Einkommen?
Die Arbeitslosigkeit ist in beiden Ländern vergleichsweise niedrig. In den letzten Jahren lag sie jedoch in Deutschland unter dem Niveau Dänemarks. Gleichzeitig ist der dänische Arbeitsmarkt deutlich flexibler: Dänemark liegt hier auf Platz 2, Deutschland auf Platz 41. Die Einkommen sind in Dänemark höher. Monatlich werden im Durchschnitt 5.607 EUR erzielt, in Deutschland 4.035 EUR. Berücksichtigt man die höheren Lebenshaltungskosten in Dänemark, verringert sich der Unterschied von rund 40 % auf etwa 10 %.
Welche Bedeutung hat Deutschland für dänische Exporte?
Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Dänemarks. Dänische Unternehmen sind dort mit einem Handelsvolumen von über 100 Milliarden DKK aktiv. Ein zentraler Treiber ist die Energiewende in Deutschland. Mehr als ein Drittel der dänischen Energietechnik wird nach Deutschland exportiert. Nach einem starken Wachstum bis 2016 hat sich die Entwicklung zuletzt abgeschwächt. Für 2021 wird jedoch wieder ein Wachstum von rund 5 % erwartet.
Welche Produkte werden zwischen beiden Ländern gehandelt?
Deutschland liefert vor allem Fahrzeuge und Industrieprodukte nach Dänemark.
Dänemark exportiert dagegen hauptsächlich Bekleidung und pharmazeutische Produkte nach Deutschland. Das zeigt, dass sich beide Volkswirtschaften in vielen Bereichen sinnvoll ergänzen.
Wie entwickeln sich Unternehmensaktivitäten im Nachbarland?
Die wirtschaftliche Verflechtung nimmt weiter zu. Die Zahl deutscher Unternehmen in Dänemark ist von 2015 bis 2018 um 20 % gestiegen und lag zuletzt bei 930 Unternehmen. Auch dänische Unternehmen sind verstärkt in Deutschland aktiv: 2019 gab es dort knapp 2.000 dänische Unternehmen.
Wie unterscheiden sich die Energiesysteme?
Dänemark ist bei erneuerbaren Energien weiter fortgeschritten, insbesondere durch Offshore-Windkraft und Fernwärme. Deutschland steht vor größeren Herausforderungen: Der Energiebedarf ist deutlich höher, und rund 50 % der Stromproduktion aus Atom- und Kohlekraft müssen ersetzt werden. Beide Länder verfolgen ambitionierte Klimaziele. Dänemark plant, den CO₂-Ausstoß bis 2030 um 70 % im Vergleich zu 1990 zu senken.
Welche Rolle spielt der Tourismus?
Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Dänemark. Im Jahr 2018 machte er 4,6 % der Exporte aus und sicherte 169.000 Arbeitsplätze. Deutsche Tourist:innen spielen dabei eine zentrale Rolle. Gleichzeitig reisen auch viele Dän:innen nach Deutschland. 2020 kam es durch Corona zu einem starken Einbruch: Die Tourismuseinnahmen in Dänemark halbierten sich.
Wie bewegen sich Menschen zwischen Deutschland und Dänemark?
Der Personenverkehr zwischen beiden Ländern ist insgesamt stabil. Er erfolgt über Fähren, Bahn und Flugverkehr. Der größte Teil des Verkehrs läuft über die Landgrenze zwischen Süddänemark und Schleswig-Holstein. Das zeigt die enge regionale Verbindung.
Die Auswertung basiert auf Daten der Deutsch-Dänischen Handelskammer sowie auf Quellen wie Statista, Eurostat und Danmarks Statistik. Ergänzt wird sie durch Analysen externer Partner, unter anderem Danske Bank Research und Carlsquare. Der Fokus liegt auf dem Zeitraum von 2010 bis 2020.
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